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Waldbauliche Maßnahmen

Dekorative Grafik

Durchzuführenden Maßnahmen in den befallenen Flächen müssen aufgrund mangelnder Ressourcen priorisiert werden. In diesem Sinn werden zuerst die Maßnahmen in den Objektschutzwälder, also Wälder die Infrastrukturen und Siedlungen vor den Naturgefahren Lawinen, Steinschlag und Hochwasser schützen, dann in den Standortschutzwäldern und erst danach in den restlichen Waldflächen durchgeführt.

Waldbauliche Maßnahmen

 1. “Frische” Käfernester

Es handelt sich um die erste Befallsphase. Die Bäume haben noch eine grüne bzw. rotbraune Krone. Die Rinde bleibt noch fest am Stamm.

  • Frühjahr/Sommer: Wenn die befallenen Bäume, rechtzeitig erkannt werden, sind diese innerhalb von 3 Wochen nach dem Befall aus dem Bestand zu entfernen. Somit wird das Vermehrungspotential des Borkenkäfers stark reduziert, indem die Larven des Käfers vernichtet werden. Für die Früherkennung können die Informationen aus dem Monitoringsprogramm über die Pheromonfallen oder auch das Phänologiemodell PHENIPS nützlich sein
  • Herbst/Winter: Die Käfer befinden sich in befallenen Bäumen unter der Rinde. Die Entnahme dieser Bäume führt zum Abtöten der überwinternden Jung- und Adultkäfer.

 2. “Alte” Käfernester

Es handelt sich um abgestorbene Bäume mit dürrer vertrockneter Krone, ohne Nadeln bzw. mit grauen Nadeln und dem Stamm ohne Rinde. In solchen Bäumen ist der Borkenkäfer nicht mehr lebensfähig. Das Entfernen dieser Bäume hat keinen Einfluss auf die zukünftige Entwicklung der Käferpopulation. Diese Bäume können jedoch noch eine wichtige Rolle für die Schutzfunktion spielen (Schutz vor Lawinen, Steinschlag und Bodenerosion). Aus diesem Grund werden sie z.T. im Wald belassen, stehend oder abgestockt und quergefällt, um eine gewisse Schutzfunktion zu gewährleisten.

3. Behandlung von Bestandesrändern

Bäume am Bestandesrand (z.B. am Rand von Windwurfflächen), die der Sonne ausgesetzt sind, erleiden Hitzeschäden am Stamm und geben daraufhin charakteristische flüchtige Stoffe ab, welche Borkenkäfer anlocken. Stehende, abgestorbene Bäume sind, abgesehen von ihrem ästhetischen Erscheinungsbild, ein wirksamer Schutz gegen diese „Sonnenbrände“ für die dahinterstehenden Bäume. Praktische Erfahrungen zeigen, dass stehen gelassene abgestorbene Randbäume die Ausbreitung des Borkenkäfers hemmen (passives Randbaummanagement). Randbäume können hingegen entnommen werden, wenn in unmittelbarer Umgebung ein stabiler Bestandesrand, d.h. vitale Bäume mit gut entwickelter Krone vorhanden sind (aktives Randbaummanagement).

 4. Fangbäume

Bei den Fangbäumen handelt es sich um bewusst geschlägerte, gesunde Bäume. Sie sollen dem Borkenkäfer als Lockmittel am Rande von Schadholzflächen „angeboten“ werden. Ziel ist es, so viele Käfer wie möglich anzulocken. Die Anzahl der Fangbäume sowie der Zeitraum der Schlägerung und nachfolgender Entrindung bzw. Entfernung der Fangbäume hängen sehr stark von den jeweiligen lokalen klimatischen Gegebenheiten ab. Die Fangbäume müssen frühzeitig auf Einbohrlöcher kontrolliert werden und zeitgerecht (ca. 2 bis 3 Wochen) im „weißen Stadium“ entrindet oder möglichst rasch aus dem Wald gebracht werden.

Maßnahmen zur Wiederherstellung der Schadflächen

Die beschädigten Flächen (z.B. durch Borkenkäfer, Wind oder Schnee) werden evaluiert, v.a. in Bezug auf die Wiederherstellung der Schutzfunktion. Anhand einer Priorisierung werden jene Flächen festgelegt, wo es notwendig ist die Wiederbewaldung zu beschleunigen. Auf solchen Flächen werden Maßnahmen vorgesehen, wie z.B. die Aufforstung, das Belassen von abgestorbenen Bäumen (stehend oder liegend) oder auch technische Baumaßnahmen wie Steinschlag- und Lawinenschutzverbauungen.

 1. Erhöhung der Vielfalt im Baumbestand

Es wird, wo sinnvoll und möglich, die Baumartenmischung gefördert. Mischbestände sind im Vergleich zu Reinbeständen grundsätzlich stabiler gegen natürliche Schadereignisse (auch Schädlinge).

 2. Verbesserung der Struktur in den Waldbeständen

Vor allem dort, wo es schwierig ist die natürliche Baumartenmischung zu fördern (die Fichte tendiert oft Reinbestände aufzubauen), wird eine abwechselnde Strukturierung gefördert. Jüngere und ältere Entwicklungsphasen sollten kleinflächig vorhanden sein und ausgedehnte homogene Entwicklungsstadien sollten vermieden werden. Der Borkenkäfer befällt in der Regel alte Bäume. Wenn wenige davon vorhanden sind, oder in erheblicher räumlicher Entfernung voneinander, dann wird das Befallspotential des Käfers stark vermindert (risk spreading strategy).